Magie & Geister

Der Theravada-Buddhismus zeichnet sich durch seine große Toleranz und den Synkretismus mit den vorbuddhistischen Glaubensvorstellungen, wie dem Geisterglauben, Animismus und Schamanismus, aus und konnte sich so dauerhaft behaupten.

Die Laoten sind sehr geistergläubig und verehren sowie fürchten verschiedene Naturgeister. Ein Chauffeur, der ein wohlriechendes Blumengewinde an den Rückspiegel hängt, tut dies nicht, um angenehmen Duft im Auto zu verbreiten; er bittet vielmehr die Geister und Mächte des Fahrzeugs um Geleit und Beistand. Vor Baubeginn eines Hauses wird der Eigentümer durch Priester den geeigneten Standort für ein Geisterhäuschen ausmachen lassen und durch Zeremonien die Geister bitten, das Häuschen als Entschädigung für die Unruhe zu akzeptieren. Vor einer Reise werden Opfergaben (wie z. B. Essen und Trinken) beim Geisterhäuschen (Ho-Phi) abgelegt und um Schutz gebeten. Die Eröffnung eines Geschäftes, eines Büros oder eines Projekts ohne glückverheißende Zeremonie zur vorbestimmten Zeit gilt als unvollständig und das Vorhaben liefe nach der Glaubensvorstellung Gefahr, ein schnelles Opfer der anarchischen Geister und Mächte zu werden.

In den ländlichen Gebieten hat der Hausgeist einen besonderen Platz; auf einem Regal im Haus werden ihm Blumen und etwas zu trinken dargebracht. Als Hausgeist wird zumeist ein Teil der Familie angesehen: ein verstorbener Ahn, der über das Wohlergehen der Familie wacht. Die Geister des Grund und Bodens sollen in für sie konstruierten Geisterhäuschen oder an Straßenseiten leben, wo schwere Unfälle passierten.
Neben den Familien- und Landgeistern gibt es andere mit besonderen Rollen: die Geister des Wassers, der Bäume, der Winde und des Reises. Jeder dieser Geister hat spezifische Kräfte und Gewalt über seine Umgebung und kann nur in dieser Umgebung wirken. Eine Reihe von Mitgliedern der Geisteswelt ist jedoch nicht so berechenbar, sondern wesentlich mobiler und gefährlicher.

Die Menschen gehen mit den launenhaften Kräften der Geisteswelt in gleicher Weise um, wie mit der lebenden Welt: Aufmerksamkeit und Neid zu erregen, wird vermieden - ein Grund warum Neugeborene nicht als schön gepriesen werden - damit man nicht aus der Menge hervorsticht. Sollte man sich trotzdem in den Klauen der Geister fühlen, so verspricht man ihnen vieles, um aus der Situation herauszukommen. Die Geister gelten - trotz ihrer Launen - für Bestechung als ebenso empfänglich wie die Menschen. Glaubt man, die Macht mit Hilfe eines Geisterdoktors identifiziert zu haben, versucht man, sie zum Vorteil des Betroffenen mit Gaben oder dem Versprechen von weiteren Opfern zu beschwichtigen.

In verschiedenen Bräuchen verschwimmen Geisterglauben und Buddhismus; so ist es völlig selbstverständlich, dass bei einer Hauseinweihung und der Befriedung des Hausgeistes buddhistische Mönche eingeladen werden. Werden Probleme mit den Geistern im Haus oder der Umgebung gesehen, kann man auch eine Geisterbeschwörung organisieren, wobei zumeist ältere Frauen - Geisterbeschwörerinnen - in einer längeren Prozedur den Geist zu vertreiben oder zu befrieden versuchen.

Jedes wichtige Ereignis im Leben eines Laoten (Geburt, Hochzeit, Antritt oder Rückkehr von einer größeren Reise, eine Hauseinweihung, Genesung von einer Krankheit etc.) wird durch eine "Basi"-Zeremonie begangen. Ziel dieser Basi ist das Festhalten und Animieren der im Körper wohnenden 32 Lebensgeister, um so Lebenskraft und Glück an die Person zu binden. Dies geschieht durch das Umbinden der Handgelenke mit weißen Baumwollfäden, die man drei Tage tragen soll, damit die guten Lebensgeister nicht wieder entweichen und stattdessen festgehalten werden. Jeder länger in Laos lebende bzw. arbeitende Ausländer wird in der Regel in den Genuss einer Basi kommen, die für ihn allen voran bei Arbeitsantritt und Einsatzbeendigung durchgeführt werden könnte. In der Umgangssprache wird Basi auch mit "su khuan" bezeichnet; „khuan“ bedeutet „Lebensgeist“ und „su“ „hereinbringen“. Das Wichtigste sei also, alle 32 khuan in sich zu tragen; dann könne nichts schiefgehen.

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