Religion

Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung bekennt sich zum Theravada-Buddhismus. Zu den religiösen Minderheiten zählen Animismus, Ahnenglaube, Schamanismus und verschiedene indigene Stammesreligionen. Kleine Minderheiten bekennen sich zum Christentum oder zum Islam.

Der Theravada-Buddhismus ist nicht nur die am weitesten verbreitete Religion in Laos, sondern auch die den Alltag prägende Lebensphilosophie. In ihn sind Formen des Animismus und vor allem des weit verbreiteten Geisterglaubens eingegangen. Der Buddhismus bestimmt die Kultur nun aber in allen Aspekten.

Auf dem Lande ist es ähnlich wie in Thailand, wo es heißt: Thai sein heißt in erster Linie Buddhist sein. In den Städten zeigt sich dieses Selbstverständnis der Laoten bei weitem nicht mehr so; hier wirkt sich die Tatsache, dass Laos seit 1975 einen sogenannten sozialistischen Entwicklungsweg eingeschlagen hat und somit der ohnehin sehr individuell ausgeprägte Theravada-Buddhismus offiziell an Bedeutung verloren hat, besonders aus. Dies ist schon in der Begrüßungsform ersichtlich, denn in Laos ist der "Wai" größtenteils nur von bzw. gegenüber Frauen üblich; sonst begrüßt man sich per Handschlag. Dabei ist zu bemerken, dass dieser - in Teilbereichen des gesellschaftlichen und sozialen Lebens zu verzeichnende - nachlassende Einfluss des Buddhismus im Allgemeinen nicht gewaltsam erzwungen worden ist. Es ist durchaus üblich, dass die Mitglieder der Laotischen Revolutionären Volkspartei an allen wichtigen religiösen Feiertagen in die Pagoden der buddhistischen Klöster gehen, denn dies ist Teil ihres Lebens und bestimmt viele Abläufe des Alltages.

Es besteht eine bemerkenswerte Übereinstimmung zwischen buddhistischer Lehre und sozialen Werten. Der Buddhismus akzeptiert die hinduistische Lehre von der Reinkarnation als unaufhörliche Seelenwanderung von allen Lebensformen, bestimmt durch das Gesetz des Karma, das Gesetz von Ursache und Wirkung, interpretiert im moralischen Sinn. Gutes erzeuge Gutes, Schlechtes erzeuge Schlechtes. Jede Handlung eines Lebewesens lasse ihm Lohn oder Schuld gemäß diesem Gesetz zu teil werden. Die Gesamtsumme des Karma (der „Tatvergeltung“) bestimme Stellung oder Status eines Wesens im Verhältnis zu anderen Wesen. Während das Wesen von einem Leben in ein anderes Leben wechsele, gemäß dem Kreislauf der Wiedergeburten, nehme es eine höhere oder niedrigere Form des Daseins in Übereinstimmung mit den erworbenen Verdiensten an. Die Tatvergeltung sei für die entsprechende Position im nächsten Leben bestimmend. Das letztendliche Ziel des Buddhismus ist theoretisch das Erreichen des Nirwana (des Nichts), da in diesem Zustand der endlose Kreis des Daseins, in welchem das Leid charakteristisch ist, ende.

Das Leid des Menschen sei das Ergebnis von Ignoranz und Begierde; um das Leiden zu beenden, müsse Ignoranz aufgehoben werden und die Begierde durch den edlen achtfachen Pfad des Verhaltens kontrolliert werden: rechte Gesinnung, rechte Achtsamkeit, rechtes Sprechen, rechtes Tun, rechte Lebensführung, rechte Anstrengung, rechtes Streben und Trachten, rechte Konzentration. Man erwerbe Verdienste durch Befolgen dieser Richtlinien oder Unterstützung eines buddhistischen Mönches in dessen Bemühungen. Nur ein ordinierter Mönch, ein Mitglied des Sangha (dem buddhistischen Mönchsorden) werde diesen idealen Weg einschlagen können, um durch völlige Entsagung und rechte Lebensführung das Nirwana zu erreichen. Verdienste können auch von Laien erworben werden; deshalb soll jeder Mensch großzügig und tolerant auftreten. Von Europäern oft als Gleichgültigkeit bezeichnete Verhaltensweisen kennzeichnen eigentlich nur die individuelle Ausprägung dieser Lebensart, denn jeder ist für sich selbst verantwortlich.

Das Schaffen von Verdiensten wird als eine rein persönliche Verantwortung gesehen; es könne nur von einem Individuum geleistet werden; es könne jedoch auch durch behilfliche Gruppenanstrengung umgesetzt werden. Jede Handlung habe eine moralische Konsequenz; ein gewisses Maß an Verdienst oder Schuld sei daran gebunden und werde, wenn das alte Leben endet, der neuen Beschaffenheit eines wiedergeborenen Wesens zugeteilt. Die Schaffung von Verdiensten spiegelt sich allerdings weniger im Arbeitsalltag als mehr im persönlichen, familiären Bereich wider.

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